Clemens Brentano

 

"Die Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl"

Autor und Werk      Inhalt und Thema     Zentraler Konflikt

Erzählweise   Aufbau und Struktur         Figurencharakterisierung

Leitmotive/Dingsymbol        Literaturgeschichtliche Einordnung

 

Clemens Brentano wurde 1778 bei Koblenz geboren und starb 1842 in Aschaffenburg. Nach einer kurzen Kaufmannslehre studierte er ab 1797 in Halle Jena Kameralwissenschaft und Medizin, gab aber die berufliche Ausbildung auf und lebte vom väterlichen Vermögen. 1803 heiratete er die Schriftstellerin Sophie Mereau(1770-1806). Nach deren Tod heiratete er die sechzehnjährige Auguste Bußmann, von der er sich aber schnell wieder trennte. Neben der "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" schrieb er noch Märchen, wie z.B.: 1838 "Gockel, Hinkel, Gackeleia" oder das Dramatische Gedicht "Am Rhein, am Rhein". Außerdem brachte er noch zusammen mit A. von Armin die Volksliedersammlung "Des Knaben Wunderhorn" heraus. Die Novelle "Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl" kam 1817 zustande, weil er einer Familie, die in großer Not war helfen wollte, aber selber kein Geld hatte. Er ließ sich von einer Frau die Geschichten von einem Kindsmord in Schlesien und von dem Selbstmord eines Unteroffiziers, der zuviel von der Soldatenehre hielt, erzählen. Daraus schrieb Brentano dann seine Geschichte. Nach vier Tagen brachte er sie zu einem Mann, namens Gubitz in Berlin, wo Brentano von 1814 bis 1818 lebte. Gubitz veröffentlichte die Novelle 1818 in seinem Taschenbuch "Milde Gaben" und zahlte ein reichliches Honorar dafür. Von 1819 bis 1824 zeichnete er in Dülmen die Visionen einer stigmatisierten Nonne auf. Von 1825 bis 1830 lebte er in Koblenz und später in Frankfurt, Regensburg und München.

 

 

Inhalt und Thema der Novelle:

Die Geschichte handelt von einer alten Frau, die versucht für ihren Enkel und dessen Mädchen, ein ehrliches Grab zu bekommen. Die beiden kommen durch tragische Schicksale ums Leben . Ein Schriftsteller findet die alte Frau nachts auf den Stufen eines großen Gebäudes sitzend und sie erzählt ihm von den tragischen Geschehnissen. Kasperl, ihr Enkel, der Soldat in Frankreich ist, bringt sich am Morgen des Tages auf dem Grab seiner Mutter um, weil er bemerkt, daß sein Vater und Stiefbruder ihn bestohlen haben. Er kann kein ehrliches Grab bekommen, weil er in seinem Abschiedsbrief schreibt, daß er sich aus Verzweiflung umbringt. Es bekommen aber nur die ein ehrliches Grab, die aus Melancholie handeln. Annerl, das Mädchen, das Kasperl liebt soll am nächsten Morgen des Tages hingerichtet werden, weil sie ihr eigenes Kind umgebracht hat. Sie will einen Mann heiraten, der ihr erzählt, Kasperl würde in Frankreich bleiben. Der Mann hält sein Heiratsversprechen aber nicht, und weil sie nicht preisgibt, wer der Vater des Kindes ist, soll sie hingerichtet werden. Die alte Frau fragt den Schriftsteller, ob er eine Bittschrift für den Herzog aufsetzt, damit die beiden ein ehrliches Grab bekommen. Der Schriftsteller aber eilt zum Herzog, um das Mädchen zu retten, wird jedoch von einem Grafen aufgehalten, da der Herzog Besuch von dessen Schwester hat. Trotzdem gelingt es ihm zu dem Mann zu gelangen und er berichtet ihm alles. Dieser schickt den Grafen sofort zum Richtplatz um das Unglück zu verhindern. Der Graf kommt allerdings zu spät und gesteht am Hinrichtungsort, das er Annerl verführt hat. Im Gefängnis begeht er dann Selbstmord. Kasperl und Annerl werden neben Kasperls Mutter beerdigt, wobei die Großmutter stirbt.

 

 

Aufbau und Struktur:

Die Novelle ist in drei Ebenen aufgeteilt. Die erste Ebene ist der Teil, wo die

alte Frau und der Schriftsteller vor dem großen Gebäude sitzen und sie ihre

Geschichte erzählt. Die zweite Ebene ist die Geschichte der alten Frau. Und die

dritte Ebene ist der Teil der Novelle, wo die Erzählung der Frau aufhört und die

mißlungene Rettungsaktion des Schriftstellers beginnt.

Man könnte den ersten und dritten Teil auch als Rahmengeschichte bezeichnen.

 

Figurencharakterisierung/-konstellation

Die alte Frau ist 88 Jahre alt und ihr letztes Lebensziel ist ein ehrliches Grab für Kasperl und Annerl zu bekommen. Sie ist die Großmutter von Kasperl und die Patin von Annerl, die sie großzieht. Sie ist eine ehrliche Frau, die in ihrem Leben sehr viel durchmacht.

 

Kasperl ist ein aufrichtiger Junge, der unter allen in der Schule immer der reinlichste und fleißigste war. Außerdem hält er sehr viel auf die Ehre, weswegen er auch Soldat bei den Ulanen ist, die auch sehr viel von der Ehre halten. Da Kasperls Vater und Stiefbruder ganz anders als er sind, sie sind nämlich beim Landsturm, streiten sie sich sehr häufig. Kasperl bringt sich wegen den beiden um, weil sie ihn bestehlen, und das gegen Kasperls Ehre geht.

 

Annerl hält auch sehr viel auf die Ehre, darum verrät sie auch nicht wer der Vater ihres Kindes ist, und zeigt sich selber an, daß sie ihr Kind umgebracht hat. Als sie ein kleines Kind ist stirbt ihre Mutter, und die alte Frau nimmt sie zu sich. Bei der Hinrichtung eines alten Freundes der Mutter, kurz nach ihrem Tod, fliegt der Kopf des Hingerichteten auf Annerl zu und beißt sich in ihrer Schürze fest. Die alte Frau glaubt deswegen, das all das Unglück nur deswegen passiert. Sie sagt: ÆEs hat sie mit den Zähnen dazu gerissen(S.33.Z.3)"

 

 

 

Zentraler Konflikt

Der zentrale Konflikt in diesem Buch ist die Tatsache, daß Kasperl und Annerl rein rechtlich kein ehrliches Grab bekommen können, weil Kasperl sich aus Verzweiflung umbringt und Annerl hingerichtet wird. In Wirklichkeit aber sind beide rechtschaffene Leute, die nur um der Ehre Willen zu Tode gekommen sind.

 

 

 

Erzählweise

Die Novelle wird aus der Sicht des Schriftstellers erzählt, man kann sagen, daß die Erzählperspektive springt, weil Kasperls und Annerls Leben bis zu Annerls Hinrichtung von Kasperls Großmutter berichtet wird. Da der Autor nie Anführungszeichen setzt, ist es manchmal schwer zu erkennen, wer gerade erzählt. Die Geschichte ist in einer sehr altertümlichen Sprache verfaßt. Wenn die Großmutter zum Beispiel mit dem Schriftsteller spricht, redet sie ihn nicht mit ÆSie" oder Ædu" an, sondern sagt immer ÆEr". Außerdem wird dieses ÆEr" dann immer großgeschrieben. Auch kann man einige Abweichungen in der für uns typischen Rechtschreibung erkennen, zum Beispiel wird ÆHilfe" anstatt mit Æi" mit Æü" geschrieben.

 

 

 

Leitmotiv/Dingsymbole

Das Leitmotiv in Brentanos Erzählung ist die Ehre. Eigentlich geht es in diesem Buch um nichts anderes als die Ehre. Um der Ehre Willen bringt Kasperl sich um, und aus Ehre zeigt Annerl sich selber an. Außerdem errichtet der Herzog auf dem Grab von Kasperl und Annerl ein Monument, das die falsche und wahre Ehre darstellt. Ein Dingsymbol in der Novelle ist die Schürze in die der Freund von Annerls Mutter gebissen hat, weil Annerl mit dieser Schürze auch ihr Kind tötet. Als weiteres Dingsymbol könnte man das Æehrliche Grab" nehmen, und den weißen Schleier, den der Graf an sein Schwert bindet, als er zum Richtplatz reitet um Annerl zu retten. Auf dem Monument, das der Herzog errichtet hat, ist auch ein Schleier zu sehen.

 

 

 

Literaturgeschichtliche Einordnung

Die Novelle entstand in der Epoche der Romantik, die von 1795 bis1835 herrschte. Die Romantik ist die letzte Stufe des Idealismus und die Hauptform ist der Roman. Die Romantik wurde stark durch die Französische Revolution beeinflußt, obwohl die Romantiker eigentlich gegen diese waren. Die Texte die zu dieser Zeit entstanden, waren sehr gefühlsbetont und natürlich. Berühmte Autoren dieser Epoche waren Eichendorff, Brüder Grimm und Heine.

Britta Mumme